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DIN EN ISO 17025: Anforderungen an die Akkreditierung von Prüflaboren

DIN EN ISO 17025: Anforderungen an die Akkreditierung von Prüflaboren

Die Anforderungen an Qualität und Nachvollziehbarkeit in der industriellen Materialprüfung sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Wer als Prüflabor im Wettbewerb bestehen und das Vertrauen industrieller Auftraggeber gewinnen will, kommt an einer Frage kaum vorbei: Ist das Labor nach DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditiert? Diese Norm hat sich weltweit als zentrales Instrument der Laborakkreditierung etabliert – und das aus gutem Grund.

Was steckt hinter der DIN EN ISO/IEC 17025?

Die DIN EN ISO/IEC 17025 legt die allgemeinen Anforderungen an die Kompetenz, Unparteilichkeit und das einheitliche Arbeiten von Prüf- und Kalibrierlaboratorien fest. Sie wurde gemeinsam von der International Organization for Standardization (ISO) und der International Electrotechnical Commission (IEC) entwickelt und 1999 erstmals veröffentlicht. Die derzeit gültige Fassung stammt aus dem Jahr 2018 und brachte eine grundlegende Überarbeitung sowohl der Struktur als auch der inhaltlichen Anforderungen mit sich.

Die Norm richtet sich an Laboratorien aller Größenordnungen – vom kleinen Speziallabor bis hin zu zertifizierten Prüfinstituten in der Industrie. Sie bildet auch die Grundlage für die staatlich anerkannte Laborakkreditierung in Deutschland.

Akkreditierung durch die DAkkS

In Deutschland ist die Deutsche Akkreditierungsstelle GmbH (DAkkS) die einzige national anerkannte Akkreditierungsstelle. Sie führt Akkreditierungsverfahren für Prüf- und Kalibrierlabore nach DIN EN ISO/IEC 17025 durch und stellt die entsprechenden Akkreditierungsurkunden aus. Kein anderes Unternehmen oder keine andere Organisation darf in Deutschland offizielle Akkreditierungen nach dieser Norm vergeben.

Eine Akkreditierung ist in der Regel drei bis fünf Jahre gültig und wird durch regelmäßige Überwachungsaudits begleitet. Dies stellt sicher, dass ein akkreditiertes Labor seine Kompetenz nicht nur einmalig nachweist, sondern dauerhaft aufrechterhält.

Besonderheit: Werkstoffprüfung und zerstörungsfreie Prüfung

Für den Bereich der industriellen Materialprüfung – insbesondere die zerstörungsfreie Prüfung (ZfP) – unterhält die DAkkS einen eigenen Fachbereich für Werkstoffprüfung und -technik. Dieser deckt unter anderem folgende Prüfverfahren ab:

  • Ultraschallprüfung (UT), einschließlich Phased-Array und TOFD
  • Digitale Radiografie und Durchstrahlungsprüfung (RT-D, RT-F)
  • Magnetpulverprüfung (MT)
  • Eindringprüfung (PT)
  • Wirbelstromprüfung (ET)
  • Schallemissionsprüfung (AT)
  • Sichtprüfung (VT) sowie Thermografie (TT)

Für jedes dieser Verfahren existieren spezifische technische Anforderungen, die ein Labor im Akkreditierungsprozess nachweisen muss.

Die zwei Säulen der Norm: Management und Technik

Die DIN EN ISO/IEC 17025 gliedert sich strukturell in zwei wesentliche Anforderungsbereiche, die zusammen den Kompetenzbeweis eines Labors ausmachen.

Managementsystemanforderungen

Auf der Managementebene verlangt die Norm ein funktionierendes Qualitätsmanagementsystem, das Aspekte wie Dokumentenlenkung, interne Audits, Korrekturmaßnahmen und Beschwerdemanagement umfasst. Anders als bei der ISO 9001 steht dabei nicht die Kundenzufriedenheit im Mittelpunkt, sondern die Zuverlässigkeit und Nachvollziehbarkeit von Prüfergebnissen.

Laboratorien können ihr Managementsystem entweder auf Basis der ISO 9001 aufbauen oder ein eigenständiges System gemäß den Anforderungen der ISO/IEC 17025 entwickeln. Beide Wege sind zulässig.

Technische Anforderungen

Der technische Teil ist für Prüflabore der anspruchsvollere Bereich. Folgende Aspekte stehen dabei im Vordergrund:

Personalqualifikation: Das Prüfpersonal muss für die eingesetzten Verfahren ausgebildet, qualifiziert und autorisiert sein. Im Bereich der ZfP gelten hier zusätzlich die Anforderungen der DIN EN ISO 9712 hinsichtlich Qualifizierung und Zertifizierung des Personals.

Ausstattung und Geräte: Alle Messgeräte und Prüfmittel müssen kalibriert sein und rückverfolgbar an nationale oder internationale Maßnormale angebunden werden. Gerätehistorien, Kalibriernachweise und Wartungsintervalle sind lückenlos zu dokumentieren.

Validierung von Prüfverfahren: Normbasierte Verfahren müssen korrekt umgesetzt, laborspezifische Methoden darüber hinaus validiert werden. Dies gilt insbesondere, wenn ein Labor eigene Prüfanweisungen entwickelt oder genormte Verfahren modifiziert.

Messunsicherheit: Ein zentrales Element der 2018er Revision ist die explizite Forderung nach der Angabe und Bewertung von Messunsicherheiten. Laboratorien müssen nachweisen, dass sie die Unsicherheit ihrer Messergebnisse kennen und berechnen können – ein Aspekt, der in der Praxis häufig unterschätzt wird.

Probenahme und Probenvorbereitung: Auch der Umgang mit Prüflingen und Proben vor der eigentlichen Prüfung ist normativ geregelt.

Was ein Akkreditierungsverfahren konkret bedeutet

Der Weg zur Akkreditierung beginnt mit einem formellen Antrag bei der DAkkS. Ein Begutachtungsteam – bestehend aus einem Leitbegutachter sowie Fachbegutachtern für die jeweiligen Prüfbereiche – prüft das Labor anschließend vor Ort. Dabei werden sowohl das Managementsystem als auch die technische Umsetzung der deklarierten Prüfverfahren unter die Lupe genommen.

Eventuelle Abweichungen müssen durch das Labor in einem definierten Zeitraum behoben und dokumentiert werden, bevor die Akkreditierungsurkunde ausgestellt wird. Praxistipp: Viele Laboratorien führen vor der eigentlichen DAkkS-Begutachtung interne Vor-Audits durch, um Schwachstellen frühzeitig zu identifizieren.

Den offiziellen Normtext bezieht man über DIN Media bzw. Beuth Verlag, wo auch Kommentarausgaben und Implementierungshilfen erhältlich sind.

Akkreditierung als Wettbewerbsvorteil

Eine gültige Akkreditierung nach DIN EN ISO/IEC 17025 ist weit mehr als ein bürokratisches Erfordernis. Sie signalisiert Auftraggebern aus der Industrie – sei es im Automobil-, Energie- oder Maschinenbausektor –, dass Prüfergebnisse technisch belastbar, reproduzierbar und unabhängig überprüft wurden. Besonders in regulierten Branchen oder bei sicherheitsrelevanten Bauteilen ist eine akkreditierte Prüfung häufig nicht nur erwünscht, sondern vertraglich oder normativ vorgeschrieben.

Für Materialprüflabore, die in der zerstörungsfreien Prüfung tätig sind, stellt die Akkreditierung damit eine entscheidende Grundlage dar – sowohl für die eigene Glaubwürdigkeit als auch für den Zugang zu anspruchsvollen Kundenprojekten.