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Kalibrierung und Wartung von Prüfgeräten: Messgenauigkeit und Zuverlässigkeit sichern

Kalibrierung und Wartung von Prüfgeräten: Messgenauigkeit und Zuverlässigkeit sichern

Wer in der industriellen Fertigung oder im Maschinenbau auf Messdaten vertraut, verlässt sich auf ein stilles Fundament: die Genauigkeit der eingesetzten Prüfgeräte. Sobald dieses Fundament bröckelt – durch Drift, Verschleiß oder unsachgemäße Handhabung – verlieren Messwerte ihre Aussagekraft. Fehlerhafte Prüfergebnisse wandern unbemerkt in Fertigungsfreigaben, Qualitätszertifikate und Lieferantenbewertungen. Die Konsequenzen reichen von Ausschussproduktion über Reklamationen bis hin zum Verlust von Zertifizierungen.

Regelmäßige Kalibrierung und systematische Prüfgerätewartung sind deshalb keine bürokratische Pflichtübung, sondern das Rückgrat eines funktionierenden Qualitätsmanagementsystems.

Was Kalibrierung wirklich bedeutet

Kalibrierung ist kein Justieren. Der Begriff wird im betrieblichen Alltag häufig unscharf verwendet, doch die Definition ist eindeutig: Kalibrierung bedeutet, unter festgelegten Bedingungen die Beziehung zwischen dem Ausgabewert eines Messmittels und dem zugehörigen Referenzwert zu ermitteln. Das Ergebnis wird dokumentiert – in einem Kalibrierschein. Verändert wird dabei nichts.

Die Justierung – also das Einstellen des Geräts auf den Sollwert – ist ein davon getrennter Schritt, der auf Basis der Kalibrierung erfolgen kann, aber nicht muss.

Für die Praxis bedeutet das: Ein kalibriertes Gerät liefert bekannte Abweichungen. Diese Abweichungen fließen in die Messunsicherheit ein, die bei jeder Messung mitgedacht werden muss.

Rückführbarkeit als Grundvoraussetzung

Ein Kalibrierergebnis ist nur dann belastbar, wenn die verwendeten Referenznormale auf nationale oder internationale Messstandards rückführbar sind. In Deutschland ist die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) die oberste Instanz für Messnormale. Labore, die akkreditierte Kalibrierungen durchführen, müssen diese Rückführungskette lückenlos nachweisen können.

Akkreditierte Kalibrierlabore in Deutschland werden von der Deutschen Akkreditierungsstelle DAkkS nach DIN EN ISO/IEC 17025 zugelassen. Ein DAkkS-Kalibrierschein ist international anerkannt und gilt als stärkster Nachweis der messtechnischen Rückführbarkeit – deutlich belastbarer als eine einfache ISO-Kalibrierung im eigenen Haus.

Normative Anforderungen: Was ISO 9001 fordert

Die DIN EN ISO 9001:2015 adressiert das Thema in Abschnitt 7.1.5 („Ressourcen zur Überwachung und Messung"). Die Kernanforderung: Messmittel müssen für ihren jeweiligen Verwendungszweck geeignet sein, und ihre Eignung muss aufrechterhalten werden.

Konkret heißt das:

  • Kalibrierung oder Verifizierung in festgelegten Intervallen
  • Rückführbarkeit auf internationale Normale
  • Kennzeichnung des Kalibrierzustands (z. B. Aufkleber mit nächstem Kalibriertermin)
  • Schutz vor Verstellung, Beschädigung und Verfall
  • Aufbewahrung von Kalibrieraufzeichnungen

Die Norm lässt Unternehmen bewusst Spielraum: Ob intern oder extern kalibriert wird, liegt im eigenen Ermessen. Entscheidend ist die Dokumentation. Wer Kalibrierungen selbst durchführt, muss die Kompetenz des Personals und die Eignung der Referenzmittel nachweisen können.

Für Unternehmen mit höheren Anforderungen – etwa in der Luftfahrt, Medizintechnik oder bei regulierten Prüflaboren – greift zusätzlich die ISO 10012, die ein dediziertes Managementsystem für Messprozesse beschreibt.

Prüfmittelmanagement als System

Einzelne Kalibrierungen ohne übergeordnetes System bleiben Stückwerk. Ein wirksames Prüfmittelmanagement erfasst alle messrelevanten Betriebsmittel systematisch und steuert deren gesamten Lebenszyklus.

Die wichtigsten Bausteine

Inventarisierung: Jedes Prüfmittel erhält eine eindeutige Identifikationsnummer. Im zentralen Register sind Gerätetype, Hersteller, Seriennummer, Standort, Kalibrierhistorie und Kalibrierintervall hinterlegt.

Intervallplanung: Das Kalibrierintervall ist keine willkürliche Größe. Es ergibt sich aus Herstellerempfehlung, Einsatzhäufigkeit, Umgebungsbedingungen (Temperatur, Erschütterungen, Feuchtigkeit) und der Drift-Geschichte des Geräts. Ein Messschieber in der Fertigung wird anders behandelt als ein Referenznormal im klimatisierten Labor.

Statuskennzeichnung: Geräte müssen ihren Kalibrierzustand klar signalisieren. Grüne Etiketten für „kalibriert und freigegeben", rote für „gesperrt", gelbe für „eingeschränkt verwendbar" – solche einfachen Systeme verhindern, dass ungültige Messungen in Fertigungsdokumente einfließen.

Abgelaufene Kalibrierungen: Ein gutes System löst rechtzeitig Erinnerungen aus, bevor der Kalibriertermin abläuft. Geräte mit abgelaufener Kalibrierung müssen aus dem Betrieb genommen werden – und alle Messungen, die seit dem letzten gültigen Kalibriertermin damit durchgeführt wurden, sind rückwirkend zu bewerten.

Fehler- und Abweichungsmanagement: Stellt sich bei der Kalibrierung heraus, dass ein Gerät außerhalb der Toleranz lag, muss eine Risikoanalyse für alle betroffenen Messungen der Vorperiode erfolgen. Dies ist eine der sensibelsten Stellen im gesamten System.

Die Deutsche Gesellschaft für Qualität (DGQ) beschreibt Mess- und Prüfmittel treffend als „das Herz jeder Produktion" – und damit ist der Stellenwert eines belastbaren Managementsystems klar umrissen.

Wartung und Pflege: Der oft unterschätzte Teil

Kalibrierung ohne begleitende Wartung greift zu kurz. Prüfgeräte unterliegen mechanischem Verschleiß, Korrosion, Schmutzablagerungen und elektronischer Alterung. Ein ungepflegtes Gerät kann zwischen zwei Kalibrierungen in kurzer Zeit außer Toleranz geraten.

Zur Wartung gehören:

  • Sichtprüfungen vor jedem Einsatz (Beschädigungen, Verunreinigungen, Anzeigeauffälligkeiten)
  • Reinigung nach Herstellervorgaben
  • Mechanische Prüfung auf Spiel, Gängigkeit und Verschleiß
  • Batteriewechsel und Softwarepflege bei elektronischen Geräten
  • Lagerbedingungen (Feuchteschutz, Stoßschutz, Temperaturbereiche)

Wartungsmaßnahmen sollten ebenso wie Kalibrierungen dokumentiert werden. Tritt ein Defekt auf, ermöglicht die Wartungshistorie eine schnelle Eingrenzung der Ursache.

DAkkS-Kalibrierung oder Werkskalibrierung – was wann?

Diese Frage stellt sich in jedem Unternehmen regelmäßig. Die Antwort hängt vom Verwendungszweck des Geräts und den Anforderungen des Kunden oder der Norm ab.

DAkkS-akkreditierte Kalibrierung ist sinnvoll für:

  • Referenznormale und Transfernormale
  • Geräte, die für Prüfberichte gegenüber Kunden oder Behörden eingesetzt werden
  • Mess- und Prüfmittel in akkreditierten Laboren (Pflichtanforderung nach ISO/IEC 17025)
  • Alle Fälle, in denen der Kunde explizit rückführbare Kalibrierungen fordert

Werks- oder ISO-Kalibrierung kann ausreichen für:

  • Fertigungsmittel ohne sicherheitskritische Funktion
  • Geräte in frühen Prozessphasen, wo Trends wichtiger sind als Absolutwerte
  • Interne Checks unter kontrollierten Bedingungen mit dokumentierten Referenzgeräten

Entscheidend ist, dass auch die Werkskalibrierung methodisch korrekt und vollständig dokumentiert ist. Lückenhaft geführte Kalibrierscheine – ohne Messwerte, ohne Unsicherheitsangabe, ohne Unterschrift – sind bei einem externen Audit wertlos.

Messunsicherheit: Die ehrliche Angabe zum Messwert

Kein Messergebnis ist exakt. Jeder Messwert ist mit einer Messunsicherheit behaftet, die aus mehreren Quellen stammt: dem Gerät selbst, der Umgebung, der Methode und dem Bediener. Eine korrekte Messangabe enthält deshalb immer den Messwert plus den Unsicherheitsbereich.

Wer Messunsicherheiten ignoriert, trifft Entscheidungen auf Basis unvollständiger Information. Das ist besonders kritisch bei Prüfungen an Toleranzgrenzen: Ein Bauteil, das den Sollwert nur knapp einhält, kann bei Berücksichtigung der Messunsicherheit tatsächlich außerhalb der Toleranz liegen.

Die internationale Methodik zur Ermittlung von Messunsicherheiten ist im GUM (Guide to the Expression of Uncertainty in Measurement) beschrieben, auf dessen Grundlage auch die PTB und das DKD ihre Kalibrierrichtlinien aufbauen.

Prüfmittelmanagement und Akkreditierung

Für Prüf- und Kalibrierlabore, die nach DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditiert sind oder eine Akkreditierung anstreben, ist ein lückenloses Prüfmittelmanagement keine Option, sondern Voraussetzung. Die Norm fordert explizit nachgewiesene Messtechnische Rückführbarkeit, dokumentierte Kalibrierverfahren und die Kompetenz des Personals.

Audits decken gerade in diesem Bereich schnell Schwachstellen auf: fehlende Kalibrierbelege, nicht gesperrte Geräte mit abgelaufenen Zertifikaten oder Kalibrierintervalle, die nicht an die tatsächliche Nutzung angepasst wurden. Ein durchdachtes, softwaregestütztes Prüfmittelmanagement kann diese Risiken erheblich reduzieren.

Fazit

Ein robustes System zur Kalibrierung und Wartung von Prüfgeräten schützt nicht nur vor fehlerhaften Messergebnissen – es ist ein aktiver Beitrag zur Produktqualität, zur Rechtssicherheit und zur Glaubwürdigkeit gegenüber Kunden und Zertifizierern. Der Aufwand für ein strukturiertes Prüfmittelmanagement amortisiert sich schnell: durch weniger Ausschuss, weniger Reklamationen und reibungslosere Audits.